(18. März 2015) Knapp drei Millionen Deutsche haben verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Update: Doping am Arbeitsplatz“ hervor. Ein zentrales Ergebnis: Die Anzahl der Arbeitnehmer, die entsprechende Substanzen schon zum Doping missbraucht haben, ist in den vergangenen sechs Jahren stark gestiegen – von 4,7 auf 6,7 Prozent. Vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs gehören zu den Risikogruppen für den Medikamentenmissbrauch.

Für die repräsentative Studie wurde untersucht, ob und wie Erwerbstätige ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen. Experten nennen das „pharmakologisches Neuro-Enhancement“. Hierfür hat die „DAK-Gesundheit“ Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten analysiert und zusätzlich mehr als 5.000 Berufstätige im Alter von 20 bis 50 Jahren befragt. Demnach haben 6,7 Prozent der Berufstätigen, also knapp drei Millionen Menschen, das sogenannte Hirndoping wenigstens schon einmal praktiziert. Bei einem vergleichbaren DAK-Report waren es 2008 noch 4,7 Prozent.

Nach den Ergebnissen des DAK-Gesundheitsreports 2015 gibt es zudem eine hohe Dunkelziffer von bis zu zwölf Prozent. Hochgerechnet auf die Bevölkerung haben damit fünf Millionen Erwerbstätige schon einmal leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente zum Hirndoping eingenommen. Und: Unter den übrigen Erwerbstätigen ist jeder Zehnte für diese Form des Hirndopings prinzipiell aufgeschlossen. Regelmäßig dopen sich laut Studie knapp eine Millionen Berufstätige (1,9 Prozent). „Auch wenn Doping im Job in Deutschland noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt DAK-Vorstandschef Herbert Rebscher. „Suchtgefahren und Nebenwirkungen des Hirndopings sind nicht zu unterschätzen. Deshalb müssen wir auch beim Thema Gesundheit vorausschauen und über unsere Wertvorstellungen und Lebensstilfragen diskutieren.“

Männer wollen mehr Leistung

Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Vier von zehn „Dopern“ gaben an, bei konkreten Anlässen wie anstehenden Präsentationen oder wichtigen Verhandlungen Medikamente einzunehmen. Männer versuchen so vor allem, berufliche Ziele noch besser zu erreichen. Und sie wollen auch nach der Arbeit noch Energie für Freizeit und Privates haben. Frauen nehmen eher Medikamente, damit ihnen die Arbeit leichter von der Hand geht und sie emotional stabil genug sind.

Menschen, die an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten oder bei denen Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben können, greifen eher zu leistungssteigenden Medikamenten, zeigt die DAK-Analyse. Beschäftigte, die viel mit Kunden zu tun haben, nehmen hingegen überwiegend Tabletten zur Stimmungsverbesserung: Fast jede fünfte Frau nennt viele Kontakte mit Menschen als Grund für den Medikamentenmissbrauch. Vor allem Frauen zwischen 40 und 50 Jahren helfen nach. „Frauen nehmen eher bestimmte Mittel gegen Depressionen, um die Stimmung zu verbessern und Ängste und Nervosität abzubauen“, erläutert Rebscher die Motive. „Bei Männern sind es meist anregende Mittel. Sie wollen wach bleiben, stark und leistungsfähig sein.“

Führungskräfte dopen kaum

Entgegen der landläufigen Meinung sind es nicht primär Top-Manager oder Kreative, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen pushen wollen. Die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports zeigen sogar den umgekehrten Zusammengang: Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Arbeit selbst, desto höher ist das Risiko für Hirndoping. Eine Rolle spielt das Tätigkeitsniveau der Arbeit: Beschäftigte mit einer einfachen Tätigkeit haben zu 8,5 Prozent bereits Medikamente zur Leistungssteigerung oder Stimmungsverbesserung eingenommen. Bei Gelernten oder Qualifizierten sind es nur 6,7 Prozent. Bei den hochqualifizierten Beschäftigten waren es 5,1 Prozent. „Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch“, so Rebscher.

Wunderpillen gibt es nicht

Insgesamt werden zum Hirndoping am häufigsten Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe (60,6 Prozent) sowie Medikamente gegen Depressionen (34 Prozent) eingenommen. Etwa jeder achte Doper schluckt Tabletten gegen starke Tagesmüdigkeit. 11,1 Prozent nehmen Betablocker. Mehr als jeder Zweite bekommt für die entsprechenden Medikamente ein Rezept vom Arzt. Jeder Siebte erhält Tabletten von Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen, jeder Zwölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet.

Professor Dr. Klaus Lieb, Facharzt und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, warnt: „Der Bezug aus dem World Wide Web ist riskant. Dort gibt es viele Medikamentenfälschungen, die ohne Rezept abgegeben werden und der Gesundheit erheblich schaden können.“ Der Doping-Experte dämpft zudem Erwartungen an das pharmakologische Neuro-Enhancement: „Eine Wunderpille gibt es nicht. Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Demgegenüber stehen hohe gesundheitliche Risiken, wie körperliche Nebenwirkungen bis hin zur Persönlichkeitsveränderung und Abhängigkeit.“ Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen seien nicht selten – und mögliche Langzeitfolgen dagegen noch völlig unklar.

Stress aktiv angehen

Nach Ansicht von Experten ist neben dem äußeren Druck am Arbeitsplatz auch die innere Haltung entscheidend, wenn es um die Anfälligkeit für das Dopen geht. So seien übertriebene Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit häufig ein Problem. Anstatt zur Pille zu greifen, sei es deshalb wichtig zu erkennen, dass Stress-Situationen am Arbeitsplatz nicht völlig vermeidbar sind. Laut DAK-Report ist der Großteil der Arbeitnehmer hier schon auf dem richtigen Weg: Demnach setzt mehr als jeder Zweite auf eine gute Organisation bei der Arbeit. 44 Prozent der Beschäftigten achten darauf, ihre Freizeit möglichst sinnvoll zu verbringen. Sechs von Zehn schlafen ausreichend, um besonders leistungsfähig zu sein.

Krankenstand sinkt leicht

Der DAK-Gesundheitsreport wertet auch die Krankenstandsdaten der Arbeitnehmer umfassend aus. 2014 lag für etwas weniger als jeden zweiten Arbeitnehmer eine Krankschreibung vor (48 Prozent, 2013: 51 Prozent). Fast ein Viertel der Ausfalltage (22,7 Prozent) wurden von Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht, 17 Prozent gingen zu Lasten psychischer Krankheiten und 14 Prozent entfielen auf Erkrankungen des Atmungssystems wie beispielsweise Erkältungen. Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand waren 2014 das Gesundheitswesen, die Öffentliche Verwaltung sowie Verkehr, Lagerei und Kurierdienste mit jeweils 4,5 Prozent.

Die DAK-Gesundheit ist mit 6,2 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands. Für die Analyse zum Krankenstand wurden die Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten durch das IGES Institut in Berlin ausgewertet.

17. März 2015 - Statistik der AOK: Die Krankmeldungen wegen Burnouts sind seit 2005 um das 13-fache gestiegen. Viele arbeiten zu viel. Jeder Vierte macht keine Pausen. Jeder Achte geht auch krank zur Arbeit – die Zahlen der Bertelsmann-Studie sind alarmierend, aber das Phänomen ist nicht neu. Schon vor vier Jahren hat der Unternehmensberater Norbert Hüge einen eigenen Verband fürs Thema Stress gegründet. Seitdem ist er der Bundesvorsitzende des „Deutschen Bundesverbandes für Burnout-Prophylaxe und Prävention e.V.“. „Das Problem nimmt in Deutschland immer noch zu“, sagt er. Und das, obwohl man längst wisse, dass zu viel Stress krank macht und Fehlzeiten produziert. Das untermauert auch die Statistik der AOK, mit 2,5 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse im Rheinland: Die Krankmeldungen wegen Burnouts sind seit 2005 um das 13-fache gestiegen.

Stress im Job macht immer mehr Menschen krank - | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/region/stress-im-job-macht-immer-mehr-menschen-krank-id10465633.html#plx263802743

14. März 2015. Zur Einstimmung verteilte die Psychologin und Mediatorin Maria Hof-Glatz aus Sigmaringen im Vortragsraum der Fachklinik Höchsten zunächst drei Rosinen – mit der Aufforderung, diese exakt fünf Minuten lang zu kauen. Mit dieser Übung zur Achtsamkeit sollte es den knapp zwanzig Besuchern erleichtert werden, im „Hier und Jetzt“ anzukommen. Den Rückmeldungen zufolge fiel das den Meisten nicht schwer. Anschließend blickte die Referentin in der Menschheitsgeschichte weit zurück: Die vorindustrielle Ära sei für die Menschen zwar körperlich sehr belastend gewesen, die work-life-balance jedoch habe gestimmt. Mit dem Rückgang des selbstbestimmten Arbeitens im Zuge der Industrialisierung seien die seelischen Belastungen stetig gewachsen.

In der heutigen Zeit seien zusätzliche Belastungsfaktoren hinzu gekommen, wie etwa die rasante Wissensvermehrung. Alle drei Minuten würden neue physikalische Zusammenhänge erkannt, alle fünf Minuten gebe es neue medizinische Erkenntnisse. Ein weiterer Belastungsfaktor sei der demografische Wandel. Der mache sich in der Arbeitswelt schon jetzt bemerkbar. Fallen Fachkräfte aus, würde die Arbeit auf die anderen Mitarbeiter verteilt.

„Bis 2050 wird es in Baden-Württemberg rund eine Million weniger Menschen geben“, sagte Hof-Glatz. Sie erläuterte den Unterschied zwischen positivem Stress, auch Eustress genannt, und dem Distress. Dieser wiederum wirke langfristig schädigend auf Körper und Seele. An modernen Arbeitsplätzen würden vielfach Distress-Elemente vorherrschen, etwa durch eine ständige Erreichbarkeit und ein permanent hohes Maß an Reizüberflutungen. Fehlt es dort zusätzlich an Möglichkeiten der Einflussnahme, Kollegialität, Sinnhaftigkeit oder Transparenz, ist der Weg zum Burnout oder anderen Beschwerden und Krankheitsbildern nicht weit.

Vorgesetzte in der Verantwortung

„Menschen mit einer ängstlich-pessimistischen Grundhaltung und einem schwachen Selbstwert sind besonders gefährdet“, so die Referentin. Als Gegenmaßnahme einmal im Jahr Urlaub zu machen, wäre wenig wirkungsvoll. Weit wichtiger sei es, wenn der Mitarbeiter einen Sinn in seiner Arbeit erkennen könne. Aber auch dem Vorgesetzten komme eine bedeutende Rolle zu. „Er sollte seine Mitarbeiter in einem angstfreien Klima motivieren können und ihnen Würde und Respekt entgegen bringen“.

Darüber hinaus sei es wichtig, sich selbst gegenüber achtsam zu sein, täglich Atemübungen zu machen, viel zu schlafen, sich gesund zu ernähren und ausreichend Zeit für Sport und andere Hobbys einzuplanen. Auch sollten die „Antreiber“ überdacht und die „Stressoren“ erkannt werden. Muss immer alles perfekt sein? Muss ich immer stark sein und es allen recht machen? „Ein egoistisches Nein ist ein herzhaftes Ja zu sich selbst“, sagte Hof-Glatz und gab zu bedenken, dass sich nur dann etwas ändert, wenn „ich mich selbst ändere“. Erfolg habe im Grunde drei Buchstaben: Tun! Möglichst zeitnah.

Quelle:
http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Sinn-in-der-Arbeit-schuetzt-vor-Burnout-_arid,10193884_toid,19.html

5. März 2015 – Die Deutschen überschätzen laut einer vom kanadischen Lebensversicherer Canada Life vorgelegten Studie beispielsweise das Risiko, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Gleichzeitig unterschätzen sie, was ihnen durch eine ungesunde Lebensführung droht. Daraus ergeben sich nicht zuletzt beim Versicherungseinkauf Fehler. Die Bundesbürger sehen sich jedoch auch mit Risiken und Nebenwirkungen konfrontiert, die für sie wirklich kaum mehr kalkulierbar sind.

Kein Mensch braucht – unter anderem – eine Brillenversicherung. So deutlich sagte es Bernhard Rapp, der stellvertretende Chef der Canada Life Assurance Europe Limited, Niederlassung für Deutschland zwar nicht, als sein Haus kürzlich eine Studie zur „Risikoeinschätzung der Deutschen“ vorstellte, aber er gemeint hat es wohl durchaus so.

Und damit liegt er ja auch goldrichtig. Und das nicht nur deshalb, weil die Canada Life als Lebensversicherer solche Policen ohnehin nicht anbietet.

Apollo, Fielmann & Co. als Versicherungs-Alternative

Schließlich gibt es, wenn die Brille zerdeppert wurde, bei Apollo, Fielmann & Co. relativ preiswerten Ersatz. Ärgerlich ist es – falls nicht ohnehin gerade ein kleiner Versicherungsbetrug geplant war – daher zwar schon, wenn so ein Malheur passiert. Aber es entsteht dadurch kaum ein existenzielles Risiko, zu dessen Beherrschung zwingend der Schutz eines Kollektivs gebraucht wird.

Das stellt sich ganz anders dar, wenn durch eine Krankheit oder einen Unfall die eigene Arbeitskraft verloren geht, stellt Rapp fest. Und auch damit hat er Recht.

Wo es wirklich „brennt“

Denn der väterliche Staat als schützendes Kollektiv hat sich dieses Risiko selbst bei allen abhängig Beschäftigten in den ersten fünf Berufsjahren schon immer komplett vom Halse gehalten. Und auch nach dieser Wartezeit zeigt er sich in der gesetzlichen Sozialversicherung bekanntlich nun schon seit Jahren wenig fürsorglich, wenn einem seiner Bürger solch ein Schicksal widerfährt.

Hier bestünde daher, was den eigenverantwortlichen Einkauf von Versicherungsschutz betrifft, offensichtlich dringender Handlungsbedarf für jeden Einzelnen, sagt – auch, aber keineswegs nur er – der Canada Life-Manager. Und hat wohl schon wieder Recht.


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http://www.versicherungsjournal.de/vertrieb-und-marketing/die-deutschen-sind-falsch-informiert-in-vielerlei-hinsicht-121701.php?vc=rss_artikel&vk=121701

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