(19. September 2015) Wer sich und seinen Organen keine Ruhepausen gönnt und Warnsignale des Körpers ignoriert, riskiert sein Leben.

Erst wenn ein Prominenter vor den Augen der Öffentlichkeit kollabiert, das Bewusstsein verliert, Schwäche zeigt, steht das Thema wieder im Rampenlicht: Stress, eine zu hohe Belastung im Beruf. So wie am ges­trigen Dienstag auch bei BMW-Chef Harald Krüger, der auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main bei der Präsentation der Neuheiten vor den Objektiven der Fotografen zusammenbrach. Ein Topmanager, 49 Jahre alt, der vor Journalisten trat, obwohl er sich am Morgen schlecht gefühlt haben soll.

Augen zu und durch. Auch die meisten Berufstätigen (60 Prozent) folgen diesem Motto, so ein Ergebnis der aktuellsten Stress-Studie der Techniker-Krankenkasse.

Trotzdem oder gerade deswegen: Jeder dritte Berufstätige fühlt sich dieser Studie zufolge ausgebrannt, besonders gestresst sind die 36- bis 45-Jährigen. Das birgt große Gefahren für die Gesundheit. Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin, und Stephanie Schluck vom Männergesundheitsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklären, wie riskant Stress sein kann und auf welche Warnsignale jeder achten sollte:

Ist Stress grundsätzlich ungesund?  

Nein. Erst wenn der Körper über längere Zeit keine Ruhepausen hat, kann das zu tiefgreifenden Veränderungen der Gesundheit führen. "Wichtig ist, dass das Stresssystem des Körpers nicht ständig auf Hochtouren laufen muss", sagt Isabella Heuser von der Charité. "Es muss immer wieder in eine Ruhephase zurückschwingen."

Was genau passiert bei Stress im Körper?  

 Es gibt zwei Stresssysteme, ein schnell reagierendes Adrenalinsystem und ein etwas trägeres Cortisolsystem. Bei ersterem bekommen wir einen trockenen Mund, das Herz schlägt schneller, wir werden wacher und können uns sehr gut konzentrieren. Das Cortisolsystem kurbelt wichtige Organe und Stoffwechselvorgänge an und schwächt andere ab. "Zum Beispiel haben die wenigsten Menschen Lust auf Sex, wenn sie im Stress sind", erklärt Heuser.

Welche Warnsignale gibt es für schädlichen Stress?  

Wer über einen längeren Zeitraum nicht erholsam schläft, sollte aufmerksam werden. Als erholsam gilt der Tiefschlaf, der für die Regeneration der Körperfunktionen sorgt. "Wer nachts mit Herzklopfen hochschreckt, sich morgens wie erschlagen fühlt, sollte etwas verändern", sagt Isabella Heuser. Ein weiterer Hinweis auf ungesunden Stress kann ein vermehrter Konsum von Suchtmitteln wie Zigaretten und Alkohol sein. Auch geistige Erschöpfung deutet darauf hin, dass dem Körper zu viel zugemutet worden ist.

Was kann passieren, wenn diese Signale des Körpers ignoriert werden?  

Fehlt der erholsame Schlaf, kann es zu einem ständig erhöhten Blutdruck und Herzschlag kommen, was schließlich Herzrhythmusstörungen und andere Herz-Kreislauferkrankungen wie einen Herzinfarkt zur Folge haben kann, erklärt Isabella Heuser: "Der Körper sagt mit lautem Getöse 'Ich kann nicht mehr'."

Auch psychische Probleme wie Depressionen könne eine Folge sein, sagt Stephanie Schluck vom Männergesundheitsportal der BZgA. "Bei Männern kommen zusätzlich zu Stress häufig noch eine schlechte Ernährung und Bewegungsmangel und in der Folge Übergewicht hinzu", erklärt Schluck. Das begünstige zum Beispiel einen Herzinfarkt. Auch zeigten Männer Probleme nur selten nach außen, versuchten sie selbst zu bewältigen und sprichwörtlich der "starke Kerl" zu sein. "So staut sich der Stress bei ihnen auf bis hin zu Burnout oder eben Herzinfarkt", so Schluck.

Manche Menschen scheinen mehr Stress ertragen zu können als andere. Woran kann das liegen?  

Einerseits hat das etwas mit den äußeren Umständen zu tun, also wie viel Unterstützung im Alltag jemand hat. Außerdem gibt es die im Menschen liegenden sogenannten Resilienzfaktoren, also die Fähigkeit, mit Stress umzugehen und relativ schnell zur Ruhe zu kommen. "Diese Faktoren sind eine Mischung aus Genen und Erziehung", erklärt Isabella Heuser. Wer schon als Kind viel Unterstützung erfahren habe, ohne jedoch überbehütet worden zu sein, hätte gute Chancen, eine hohe Stresstoleranz zu entwickeln. "Trotzdem: Man kann jeden in die Erschöpfung treiben."

Wer ist besonders von negativem Stress betroffen?  

"Es ist wichtig zu sagen, dass es nicht nur die Politiker und Topmanager sind, die unter negativem Stress leiden", sagt Isabella Heuser von der Charité. Auch alleinerziehende Mütter stünden unter enormem Stress, Mitarbeiter von Jugendämtern, auch einfache Angestellte.

"Ein entscheidender Faktor ist, ob der Mensch dem Stress unkontrolliert ausgeliefert ist, oder ob er mitbestimmen kann, wann er ihn hat." Auch eine zu starke Identifikation mit dem Beruf ist nicht gut. Man muss emotional und geistig loslassen können.

Gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, wie Dauerstress auf sie wirkt?  

Bei Frauen wirkt sich negativer Stress stärker auf die Gesundheit aus. Männer hätten jedoch ein anderes Problem, sagt Stephanie Schluck. "Sie stehen unter dem Druck, Ernährer, Vater und Liebhaber zugleich sein zu wollen. Sie nehmen sich selten die Zeit, sich auf eine Rolle zu konzentrieren, sondern versuchen, alles auf einmal zu sein. Unter diesem Druck brechen viele zusammen", sagt Schluck. Hinzu komme, dass Männer seltener zum Arzt gehen als Frauen. "Wenn sie zusammenbrechen, ist es meist schon zu spät."

Unabhängig von der körperlichen Verfassung und dem Geschlecht: Was kann man tun, um sich vor den negativen Folgen von Stress zu schützen?  

Jeder weiß es, zu wenige tun es wirklich: Auszeiten nehmen. Zum Beispiel an einem Tag in der Woche nur das tun, was man wirklich möchte. "Ein Buch lesen, Serien gucken, Sport machen – es ist egal. Wichtig ist, nicht an die Arbeit zu denken", sagt Isabella Heuser. Dazu gehöre auch, keine Arbeits-E-Mails zu lesen und das Handy einmal auszuschalten.
Im Beruf sollte man die Illusion beerdigen, dass Multitasking möglich ist, rät Heuser. "Niemand kann das. Sagen Sie also einfach mal ,stopp'."
 

Von Alina Reichhardt und Laura Réthy

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article205724747/Krank-durch-Dauerstress-Das-sollten-Sie-wissen.html

(11. September 2015) Häufig als Mode-Erkrankung verharmlost, ist ein Burnout für die Patienten mit einem hohen Leidensdruck sowie mit Depressionen oder Angststörungen verbunden. Wie alle psychischen Erkrankungen haben Erschöpfungszustände in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland deutlich zugenommen. Mit 40 Millionen Arbeitsunfähigkeitstagen finden sich psychische Erkrankungen an zweiter Stelle bei den Krankmeldungen. Bereits heute gehen rund 41 Prozent der Frühverrentungen auf seelische Leiden zurück. Führende Psychologen sehen besonders berufliche Faktoren als Einflussgrößen für die Entwicklung des Burnout-Syndroms: eine steigende Arbeitsmenge und Arbeitsintensität, mangelnde Anerkennung sowie die fehlende Kontrolle über das Arbeitspensum und ein Mangel an Teamgefühl. Auch Mobbing, ständige Erreichbarkeit und Existenzängste setzen Beschäftigte unter Stress.

“Ein Burnout bezeichnet einen Zustand, bei dem der Patient durch beruflichen oder privaten Stress derart belastet ist, dass sich im hohen Maße emotionale Erschöpfung einstellt und die Leistungsfähigkeit erheblich reduziert ist”, definiert Medizin-Nobelpreisträger Professor Dr. Thomas C. Südhof.

Die betroffenen Patienten haben nicht nur mit ihrer Erkrankung zu kämpfen, sondern mit massiven Versorgungsdefiziten im deutschen Gesundheitssystem. Drei von vier Burnout-Betroffenen mit schweren Depressionen erhalten durch den bestehenden Versorgungsmangel keine den aktuellen Behandlungsleitlinien entsprechende Therapie.

Experten gehen davon aus, dass bis zu 100.000 Menschen in Deutschland jedes Jahr an einem Burnout erkranken und sogar jeder Dritte in seinem Leben einmal mit einer seelischen Krise konfrontiert werden wird. Die Diagnose “Burnout” ist längst zur Volkskrankheit geworden.


Quelle: http://www.esanum.de

(08. September 2015) Wenn sich Krankenkassen nach neuen Kunden umschauen, dann oft auf Berufsmessen. Also dort, wo sich jedes Jahr Tausende Schulabgänger darüber informieren, welchen beruflichen Weg sie einschlagen könnten. Dort kann die Krankenkasse ihre potenziellen Mitglieder ansprechen: Jugendliche voller Elan, die bald die Beitragskassen füllen sollen - und diese, auf Jahrzehnte gesehen, möglichst wenig belasten: Weil sie noch nicht so viele Wehwehchen haben wie ältere Arbeitnehmer. Soweit die Theorie.

Zu viel Alkohol und Fast Food, zu wenig Schlaf

Dieses Geschäftsmodell könnte sich als Fehlrechnung entpuppen, wie das Wissenschaftliche Institut der AOK ermittelt hat. Die Forscher haben erstmals bundesweit etwa 1300 Auszubildende in kleinen und mittelständischen Betrieben befragt und dabei alarmierende Resultate gesammelt.

Demnach klagt ein Drittel der Berufsanfänger über häufige körperliche und psychische Beschwerden, obwohl knapp 74 Prozent mit der Situation im Betrieb zufrieden sind. Die Probleme mögen also auch auf den Lebenswandel der Jugendlichen zurückzuführen sein: kein Frühstück, zu viel Fast Food, zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol und lange Zeiten vor dem Computer.

 
Immerhin verzichtet jeder vierte Auszubildende auf sein Frühstück, 17 Prozent ernähren sich mehrmals in der Woche von Bratwurst, Hamburger & Co. Fast 36 Prozent rauchen, 19 Prozent trinken mehr oder weniger regelmäßig Alkohol. Auch sonst gehen die Jugendlichen eher unbekümmert mit Körper und Gesundheit um: Ein Viertel (26 Prozent) treibt höchstens einmal im Monat aktiv Sport. Dazu passt: Gut zwölf Prozent gaben an, nur selten ausgeruht an ihren Arbeitsplatz oder in die Berufsschule zu kommen.

36 Prozent leiden unter Erschöpfung

30,5 Prozent der Azubis sind der Auffassung, dass ihnen unter der Woche maximal sieben Stunden Schlaf pro Nacht reichen. Nach dem Motto: Es gibt Sinnvolleres zu tun. Sie sind beispielsweise täglich siebeneinhalb Stunden mit Medien beschäftigt - Filme schauen (2,2 Stunden), Computerspiele (eine Stunde) und sonstige Zeit am PC (1,6 Stunden).

Bei jedem fünften Auszubildenden sei ein Lebenswandel zu beobachten, der der Gesundheit abträglich ist, warnen die Wissenschaftler. Bei fast jedem zehnten Befragten würden zudem gesundheitliche Beschwerden und gesundheitsgefährdendes Verhalten gleichzeitig auftreten. So leiden 36 Prozent der Befragten oft unter Müdigkeit und Erschöpfung. 15 Prozent der Berufsanfänger gaben gar an, immer mal wieder ausgebrannt zu sein.

Kündigung

Erkrankungen durch Arbeitsbelastung
 Politik will gegen Psycho-Stress im Job vorgehen  
Um das 18-fache sind Krankheitstage aufgrund des Burn-out-Syndroms innerhalb von acht Jahren gestiegen. Arbeitsministerin von der Leyen hat nun eine Tagung zum Thema Stress im Job einberufen. Doch der Opposition geht Reden allein nicht weit genug.
 
Die gesundheitlichen Probleme äußern sich vor allem in Kopfweh, Verspannungen und Rückenschmerzen. Insgesamt berichten gut 56 Prozent der Auszubildenden über häufige körperliche Beschwerden, 46 Prozent über psychische Probleme. Dies hat Auswirkungen auf die Krankmeldungen von Azubis, deren Quote immerhin 4,3 Prozent beträgt. Der kommissarische Geschäftsführende Vorstand des AOK-Bundesverbandes, Frank Michalak, appelliert deshalb an die Unternehmen, sich bei der Prävention mehr auf die Auszubildenden einzustellen.

Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen sind gestiegen

Der Krankenstand aller AOK-Versicherten liegt bei 5,2 Prozent, was 18,9 Fehltagen im Jahr entspricht, wie aus dem jährlichen Fehlzeiten-Report der AOK hervorgeht. Insgesamt gesehen, heißt es dort , seien die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen "deutlich" angestiegen,

Die Gründe dafür liegen nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auch im Betrieb. So würden fast 40 Prozent aller Azubis Überstunden leisten, klagen deutsche Betriebsräte. Mehr als 25 Prozent hätten regelmäßig Schwierigkeiten, sich von der anstrengenden Ausbildung zu erholen. "Hier sind eindeutig die Arbeitgeber gefordert. Sie sind für gute Ausbildungsbedingungen verantwortlich", so der DGB.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/auszubildende-jung-dynamisch-ausgebrannt-1.2637356

(07. September 2015) 4 Tage arbeiten, 3 Tage Wochenende!

Gegen diesen Vorschlag hätte wohl niemand etwas: Ein britischer Wirtschafts-Professor fordert die Einführung eines verlängerten Wochenendes für alle Arbeitnehmer. Vier Tage arbeiten, drei Tage frei - das wäre doch was, oder? Die Reform soll bewirken, dass wir effektiver arbeiten.

In Zeiten, in der eine Work-Life-Balance angestrebt und doch selten erreicht wird, fordert David Spencer, Professor für Wirtschaft an der University of Leed, ein 3-Tage-Wochenende und 30 statt 40 Arbeitsstunden pro Woche. Studien zeigen, dass viele Mitarbeiter am Ende einer Woche mürbe und unglücklich sind. Als Folge hat sich eine neue Volkskrankheit etabliert: Burn-Out. Der Stress im Job steigert das Risiko für einen Schlaganfall, Diabetes Typ 2 oder Herzerkrankungen.

Eine ausgeglichene Work-Life-Balance ist daher sehr wichtig. Spencer wünscht sich, dass Mitarbeiter ihr Leben wieder genießen sollen und glaubt, dass dies durch eine Verlängerung des Wochenendes erreicht werden kann. Denn nur wer erholt an den Arbeitsplatz kommt, kann auch hundert Prozent geben.


Noch klingt das Ganze nach Utopie

In seinem Aufsatz 'Die ökonomische Zukunft unserer Enkel' von 1930, beschrieb Ökonom John Maynard Keynes, wie das Arbeitsleben in 100 Jahren aussehen könnte. Er hatte die Vorstellung, dass die Menschen im Jahre 2030 mit einer 15-Stunden-Woche auskämen, da der technische Fortschritt die Arbeitnehmer entlasten würde.

Andere Experten sind weniger optimistisch, was das 4-Tage-Wochen-Modell angeht. "Ob das automatisch zu einer besseren Gesundheit führt, ist für mich sehr zweifelhaft", sagt Psychotherapeut Dr.Manfred Nelting. Erholung entsteht ja nicht durch Rumsitzen. Die hinzugewonnene Freizeit sollte genutzt werden, um Krankheiten wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten vorzubeugen - am besten durch Bewegung.

Noch klingt das Ganze mehr nach Utopie. Vielleicht auch, weil für die Umsetzung alle Beteiligten daran glauben müssen.

http://www.frauenzimmer.de/cms/work-life-balance-wissenschaftler-fordert-drei-tage-wochenende-2439609.html

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