(06. November 2015) Die Zahl der Burnout-Fälle nimmt weiter zu. Schweizer haben jetzt einen Test erprobt, mit dem die Diagnose zuverlässiger werden soll. Stress, Druck, Verantwortung – viele Menschen sind dem alltäglichen und insbesondere beruflichen Leben kaum mehr gewachsen. Die Folge: ein Burnout. Die Zahl der Betroffenen steigt stetig an, die Diagnose ist heikel. Oft werden die Symptome mit jenen einer Depression verwechselt. Eine falsche Behandlung der jeweiligen Krankheit kann fatale Auswirkungen haben. Ein Burnout rechtzeitig zu erkennen, ist zudem nicht ganz einfach. «Die Folgen für die Gesundheit sind erst später sichtbar», erklärt Patrik Hunziker, Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin (Ifa) der Romandie, «24Heures». «Eine Person kann jahrelang unter einer extremen Spannung leben, ohne dies zu realisieren. Irgendwann erhält sie plötzlich die Quittung dafür.»

Eine Diagnose war für Ärzte bisher besonders schwierig. Sie mussten sich auf die Aussagen stützen, die die Patienten machten – oft nicht ganz wahrheitsgetreu und marginalisierend. Deshalb haben sich die Forscher des Ifa jetzt eine neue Technik unter die Lupe genommen, die in Österreich entwickelt worden ist. Dabei wird der Rhythmus der Herzfrequenz gemessen. Während 24 Stunden werden die Patienten so überwacht. Danach können die Entwickler bestimmen, ob Stress bereits ein Problem ist.

Vitale Verfassung messen

Die Methode wurde jetzt in der Schweiz getestet. Insgesamt 800 Angestellte von vier Unternehmen haben einen Tag lang ein EKG-Gerät getragen und sind ihren üblichen Aktivitäten nachgegangen. In dieser Zeit zeichnete der Herzfrequenzmesser den Herzrhythmus, Abweichungen und Atmung auf. Anhand dieser Daten können die Spezialisten erkennen, wie es um das Gleichgewicht des Sympathikus und des Parasympathikus steht. Ersterer ist jene Komponente des vegetativen Nervensystems, der für die Energie, Stimulation und Wachsamkeit verantwortlich ist. Der Gegenpol dazu ist der Parasympathikus, der die Ruhephasen, die Regeneration und den Schlaf regelt.

Sind die beiden Komponenten im Ungleichgewicht, kann es zur Ermüdung kommen. «Diese Informationen zeigen, in welcher vitalen Verfassung man ist», sagt Hunziker. Zwar würden die Daten nur während 24 Stunden erhoben, sie sind allerdings ein Ergebnis eines langen Prozesses. «Die Tatsache, dass man vergangene Nacht gut oder schlecht geschlafen hat, spielt beim Test keine Rolle.»

Unterscheidung zwischen Burnout und Depression möglich

Der Versuch mit den Angestellten hat Interessantes gezeigt: Während einige angaben, noch Durchhaltevermögen zu besitzen, zeigten die Ergebnisse, dass ihr Körper bereits deutlich ermüdet war.

Fallen die Werte weniger gut aus, können verschiedene Massnahmen ergriffen werden. Die Patienten erhalten beispielsweise Tipps, wie sie sich erholen können. Im schlimmsten Fall müssen die Experten die Betroffenen von ihrer Arbeit freistellen. Im Gegensatz zu heute habe der Test nämlich einen wesentlichen Vorteil: «Er erlaubt, zwischen Burnout und Depression zu unterscheiden. Im ersten Fall zeigen unsere Daten, dass der Patient seine vitale Energie buchstäblich ausgeschöpft hat.» Das ist wichtig: Während bei einem Burnout die Arbeit schadet, kann sie bei Depressionen für Struktur und Sicherheit sorgen.

Hunziker hofft nun, dass auch andere Unternehmen ihren Angestellten diese Therapie ermöglichen. Sie kostet rund 500 Franken und wird von einige Krankenkassen übernommen. Um eine körperliche Verbesserung im Auge behalten zu können, wird der Test mehrere Male wiederholt.

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Neuer-Test-macht-Burnout-frueher-erkennbar-19609099

(09. Oktober 2015)  Ein Arbeitsunfall ist für die Kollegen immer ein Schock. Glücklicherweise sind tödliche Arbeitsunfälle vergleichsweise selten: 2014 kam es nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zu 473 solcher Ereignisse. Prinzipiell kann jeder am Arbeitsplatz mit einer belastenden Situation konfrontiert werden. Erhöht ist das Risiko bei Arbeitnehmern, die mit Geld umgehen.

Auch Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen oder Mitarbeiter in Ämtern und Behörden kennen Übergriffe von Patienten oder Kunden.Kristina Soldo, Psychologin bei TÜV Rheinland: „Verschiedene Erlebnisse können ein Trauma auslösen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine schwer zu verarbeitende Erfahrung darstellen, die mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen einhergeht. Betroffene berichten, das Schlimmste sei das Gefühl, die Kontrolle über sich und die Situation zu verlieren.“

Reaktionen auf eine belastende Situation wie heftiges Weinen, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit oder auch das wiederholte Durchleben des Ereignisses sind in der ersten Zeit normal. „Diese akute Belastungsreaktion sollte allerdings nach fünf bis zehn Tagen abklingen“, so Soldo.

Direkt nach einem traumatischen Erlebnis ist es wichtig, dem Betroffenen Sicherheit zu geben. Das bedeutet, ihn beispielsweise vom Ort des Geschehens weg in einen Nebenraum zu bringen und dort auf seine Bedürfnisse einzugehen. Zwar entlastet auch ein Gespräch. Doch ob, wann und mit wem über das Erlebte gesprochen wird, entscheidet allein der Betroffene. Professionelle Gesprächspartner finden Arbeitnehmer in der externen Mitarbeiterberatung, die einige Unternehmen in Zusammenarbeit mit TÜV Rheinland ihren Beschäftigten anbieten. Stellen die Experten bei den Gesprächen fest, dass beispielsweise eine ambulante Psychotherapie sinnvoll ist, helfen sie bei der Organisation der Maßnahme.

Angriffe durch Kunden, Überfälle und Unfälle sind unvorhersehbare Ereignisse. Aber auch hier ist Prävention möglich: In Krisenpräventionsseminaren bereiten Experten von TÜV Rheinland Führungskräfte und Mitarbeiter auf mögliche Extremsituationen vor.

Weitere Informationen unter www.tuv.com/amd

(26. September 2015)  Ein Leben ohne Handy können sich die meisten Jugendlichen kaum noch vorstellen. Fast alle nehmen das Mobiltelefon auch mit zur Schule. Damit sind sie allerdings besonders gefährdet einen „Digitalen Burnout“ zu erleiden, meint der Bonner Forscher Alexander Markowetz. Auch die Wirtschaft habe noch nicht erkannt, was auf sie zukomme. „Derzeit reagieren viele Unternehmen mit ungeeigneten Maßnahmen”, sagt Markowetz. Zahlreiche Konzerne würden dem Zeitgeist folgen, ihre Mitarbeiter mit Tablets und Smartphones ausstatten und ihnen völlige Flexibilität ermöglichen – und so Abhängigkeit und Burnout-Gefahr verstärken. Der Produktivitätsverlust sei immens, und die Krankheitswelle werde sie teuer zu stehen kommen.

Rund 300.000 Personen haben mittlerweile die App “Menthal” heruntergeladen, die im vorigen Jahr von Informatikern und Psychologen der Universität Bonn zu Forschungszwecken entwickelt wurde. Die App zeichnet die Smartphone-Nutzung auf und übermittelt die Daten anonymisiert an die Server der Forscher.

Die 60.000 Datensätze, die bisher ausgewertet wurden, zeichnen ein erschreckendes Bild: Im Durchschnitt aktivierten die Besitzer 53 Mal am Tag ihr Handy. Sie unterbrechen alle 18 Minuten ihre Tätigkeit, mit der sie gerade beschäftigt sind. „Smartphone-Apps funktionieren wie Glücksspielautomaten. Wir betätigen sie immer wieder, um uns einen kleinen Kick zu holen”, sagt Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn und Autor des Buches “Digitaler Burnout”, das im Oktober erscheint.

Das Verhalten ist kein exklusiver Tick der Jugend, sondern zieht sich durch alle Altersgruppen und soziale Schichten. „Wir erleben die Entstehung des Homo Digitalis, der einen Großteil seiner Tätigkeiten mittels digitaler Medien abwickelt“, so Markowetz. „Einen Großteil der Zeit verbringen die Menschen mit Social Media-Anwendungen wie Facebook, WhatsApp und Spielen.“ Dramatisch sind dabei besonders die ständigen Unterbrechungen. Sie erlaubten es nie, sich einer Tätigkeit vollauf zu widmen, und verhinderten damit jede Erfahrung von Flow. Die Folgen seien Unproduktivität und ein mangelndes Glücksempfinden. Besonders Jugendliche sind extrem auf ihr Handy fixiert. Die 17- bis 25-jährigen Teilnehmer der Studie nutzten ihr Smartphone noch häufiger – insgesamt drei Stunden. Und das, obwohl ein Großteil ihrer Zeit bereits durch Schule oder Ausbildung in Beschlag genommen ist.

Auch die Wirtschaft habe noch nicht erkannt, was auf sie zukomme. „Derzeit reagieren viele Unternehmen mit ungeeigneten Maßnahmen”, sagt Markowetz. Zahlreiche Konzerne würden dem Zeitgeist folgen, ihre Mitarbeiter mit Tablets und Smartphones ausstatten und ihnen völlige Flexibilität ermöglichen – und so Abhängigkeit und Burnout-Gefahr verstärken. Der Produktivitätsverlust sei immens, und die Krankheitswelle werde sie teuer zu stehen kommen.

Andere Unternehmen würden zwar abends die berufliche Smartphone-Nutzung unterbinden – etwa indem sie Email-Server abstellen. Dies führe aber am eigentlichen Problem vorbei, so der Forscher der Universität Bonn. „Entscheidend sind die ständigen Unterbrechungen im Arbeitsalltag und weniger die abendliche E-Mail.”

Es geht Markowetz nicht darum, Smartphones abzuschaffen oder zu verteufeln. „In einem ersten Schritt haben wir die Geräte geschaffen, in einem zweiten müssen wir uns nun gesunde Umgangsformen angewöhnen“, so der Forscher. Aufklärungskampagnen, Forschungsprojekte oder politische Initiativen seien bisher Mangelware.

Einen Ausweg zeigen erste Vorreiter aus den USA. Dort seien es genau die digitalen Eliten, die nun anfingen, sich digitale Diäten aufzuerlegen. „Die permanente Smartphone-Nutzung ist ein unterbewusster Reflex”, sagt Markowetz. Die Automatismen könne man durch konkrete Techniken loswerden. Etwa, indem man das Schlafzimmer zur Handy-freien Zone erkläre oder die Regel aufstelle, das Smartphone nur auf einem unbequemen Küchenschemel zu nutzen.

Doch der Mensch ist nicht alleine auf der Welt, und nicht alle Unterbrechungen sind selbstverschuldet. Daher, so Markowetz, müssten wir beginnen, in unserer Kommunikation gegenseitig Rücksicht aufeinander zu nehmen und uns eine neue Kommunikationsetikette auferlegen. Und beide Kulturtechniken, Diäten wie Etikette, müssten bereits in der Schule vermittelt werden.

Die Smartphone-Nutzung sei nicht das Ende der Entwicklung, sondern erst der Anfang. Schon jetzt werde das Internet in Spielzeug, Brillen und Uhren integriert. Markowetz: „Wir brauchen dringend eine gesellschaftliche Debatte und einen interdisziplinären Austausch in der Wissenschaft, um zu verstehen, was die Digitalisierung mit unseren Psychen macht.” (pm)


http://www.news4teachers.de/2015/09/informatikprofessor-smartphones-machen-abhaengig-unproduktiv-und-ungluecklich/

(20. September 2015) Zehn Fragen zu der Krankheit, an der immer mehr Menschen leiden an Nobelpreisträger Prof. Südhof
Ein Mann in Sandalen war der Spitzenstar: So kam Medizin-Nobelpreisträger Prof. Thomas Südhof (59) zum Burn-out-Kongress der Limes-Schlosskliniken ins Schloss Charlottenburg. Führende Forscher und Mediziner präsentierten neue Ergebnisse zu der Krankheit, an der auch immer mehr Berliner leiden. In der BILD erklärt Biochemiker Südhof, was bei Burn-out passiert und wie man sich schützen kann.

Ist Burn-out im Gehirn tatsächlich nachweisbar?
Ja! Sogar bei Mäusen. Dabei muss man wissen, dass das Gehirn sich ständig verändert – jeder Lernprozess schafft eine neue Hirnstruktur. Also auch jeder krankhafte Lernprozess – wir nennen das Fehlanpassung. Der Betroffene passt sich einer schädlichen Bedingung an. Die gute Nachricht dabei: Der Prozess ist umkehrbar, man kann umlernen!

Wie zeigt sich Burn-out?
Zuerst am Lebensgefühl. Es führt zu Überforderung, der Betroffene verliert die Lust am Leben, am Arbeiten, an der Freude. Er ist konstant gestresst, chronisch belastet.

Was ist der Unterschied zwischen Burn-out und Depression?
Kein Unterschied – Burn-out ist eine der vielen Erscheinungsformen von Depression. Es ist eine Ausformung der Krankheit – und die Grenzen sind fließend.

Warum kann man das nicht genauer klassifizieren?
Weil wir noch immer viel zu wenig vom Gehirn verstehen! Der Begriff Burn-out beschreibt den Patienten in einer Situation, nicht die Krankheit. Früher hat man das Melancholie genannt, später wird man es wieder anders nennen.

Kann man es trotzdem heilen?
Ja! Und ich rate jedem, der eine ungewohnte Traurigkeit und Lähmung an sich feststellt, zum Arzt zu gehen! Es geht nicht alleine weg, wenn man nichts tut, wird es schlimmer.

Was hilft gegen Burn-out?
Je nach Schweregrad Medikamente, Verhaltenstherapie oder beides. Betroffene müssen ihr Leben ändern. Das Hauptproblem ist die ununterbrochene Ansprache, der wir ausgesetzt sind. Der Mensch ist nicht so gemacht, dass er ununterbrochen kommuniziert. Er braucht Pausen. Die muss man schaffen.

Wie schützen Sie sich?
Ich schalte um 20 Uhr alle elektronischen Geräte aus und erst nach dem Frühstück mache ich sie wieder an.

Und dann sind da 47 E-Mails?
Dann bearbeite ich sie alle nacheinander. Es ist besser, 47 E-Mails am Stück zu bearbeiten und dann Pause zu machen, als den ganzen Tag lang ununterbrochen ein paar zu bearbeiten.

Was kann man noch tun?
Auf sich achten, herausfinden, was einem guttut. Ich zum Beispiel trage immer Sandalen – das tut mir gut, und mir ist es egal, wie andere das finden. Man muss sich nicht immer anpassen.

Führt Burn-out zu Folgekrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfall?
Nicht unmittelbar. Aber wie alle Formen der Depression kann es zu einem veränderten Lebensstil führen, der kann ungesund sein und so zu anderen Krankheiten führen.

Stimmt es, dass eine Stadt wie Berlin Burn-out besonders fördert?
Das habe ich noch nie gehört! Wieso auch, Berlin ist doch eine ganz ruhige Stadt! Anders als New York, Tokio, Peking, sogar San Francisco!


Quelle:
http://www.bild.de/regional/berlin/burnout-syndrom/wird-schlimmer-wenn-man-nichts-dagegen-tut-42606368.bild.html

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