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Doping im Job: Leistung um jeden Preis? Drogenbeauftragte der Bundesregierung besuchte Klinik Tönisstein

(31. August 2015)  Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, besuchte die AHG Klinik Tönisstein. Im Zentrum standen die aktuellen Themen „Doping im Beruf“ und „Lifestyledrogen“. Aktuellen Studien zufolge ist der Anteil der Berufstätigen, die zur Leistungssteigerung im Beruf Medikamente einnehmen, deutlich angestiegen.

Welchen Patienten ein Online-Therapeut helfen kann

(31. August 2015) Bei psychischen Störungen ist schnelle Hilfe gefragt. Doch die Wartezeiten bei den Therapeuten sind lang. In Deutschland wird jetzt überprüft, wann die Online-Psychotherapie eine Alternative bietet.

Von Sophie Rohrmeier

Hannes Bruehl* weiß, wie schwer der Alltag sein kann. Was für eine große Herausforderung es ist, den Computer einzuschalten. Aufzuschreiben, ob und was man am Tag geschafft hat. Und dann auf den "Senden"-Knopf zu clicken, damit der Therapeut die E-Mail bekommt. "Das ist nicht leicht, wenn man in einer depressiven Phase ist", sagt Bruehl.

Seine Depressionen kehren immer wieder, er hat Familie und Beruf, aber keinen Therapieplatz. Bis er einen der bundesweit raren Plätze in einem Modellprojekt ergattert – für Internettherapie. Das Angebot könnte möglicherweise sehr gut für die Patienten sein. Doch weil es bislang nur wenige Daten über diese Art der Therapie gibt, ist sie unter Experten noch umstritten.

Hannes Bruehls Krankheit bedeutet noch immer ein Stigma, deshalb möchte er seinen richtigen Namen auch nicht öffentlich machen. Aber er will auch etwas gegen die Depression tun. "Selbstbestimmung ist mir wichtig", sagt Hannes Bruehl. An Menschen wie ihn richtet sich das Angebot "net-step": Patienten mit Depression, sozialer Phobie oder Panikstörung. "Net-step" ist ein Experiment am St. Alexius-/ St. Josef-Krankenhaus in Neuss, das von einer wissenschaftlichen Studie begleitet wurde. Gerade erst ist sie abgeschlossen.

Erste Studienergebnisse sind positiv

"Meine Frau sagt, ich falle nicht mehr in so tiefe Löcher wie früher", sagt Bruehl. Die Therapie im Netz habe ihm geholfen, früher gegenzusteuern. "Sogar schwer depressive Patienten haben sich durch unsere Behandlung ganz deutlich verbessert", sagt Therapeut Ulrich Sprick. Er leitet das Ambulante Zentrum der Klinik, an der "net-step" umgesetzt wurde. Die Studie zeigt: Die Heilungschancen seien so gut wie bei einer Verhaltenstherapie von Angesicht zu Angesicht. Im Ausland liegen Sprick zufolge ganz ähnliche Ergebnisse vor.

Mehr als 100 Patienten haben dafür über das Internet eine kognitive Verhaltenstherapie durchlaufen. Dabei geht es darum, unangemessene Wahrnehmungen, Bewertungen und Gedanken, die zu Angst, Ärger und Depression führen, umzugestalten – ohne zu persönlichen Sitzungen zu gehen. Dennoch ist die Behandlung von einem Therapeuten geleitet.

Der Patient lernt seinen Betreuer zu Beginn einmal persönlich kennen, danach stehen sie über Nachrichten in Kontakt. Der Therapeut antwortet innerhalb von 24 Stunden. Das Angebot war der Krankenkasse AOK zufolge bundesweit das erste seiner Art.


Online-Kommunikation fällt vielen leichter

Die Vorteile der Internetpsychotherapie liegen für die Befürworter auf der Hand: Der Patient entscheidet, wann er mit dem Therapeuten in Kontakt ist und wie oft. Auf vorher festgelegte Termine braucht er nicht zu warten, in die Praxis muss er auch nicht. "Eine Patientengruppe, die man nicht vergessen darf, sind Menschen, die über Mails oder SMS Kontakt zu Therapeuten aufnehmen – und sofort klarstellen: Ich komme nicht in die Praxis – aus Scham oder Angst", sagt der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Ernst Dietrich Munz. Für sie kann Onlinekommunikation ein Einstieg sein. Und: Im Netz muss der Therapeut nicht sofort antworten, sondern kann überlegen oder mit Kollegen beraten. Eben das ist einer der Gründe, warum der Psychoanalytiker Jürgen Hardt skeptisch ist: Die Hilfe, die der Patient online erhalte, sei nur vermeintlich optimal. "Die Patienten fühlen sich zwar besser verstanden. Die Hilfe kommt wie vom Himmel", sagt der frühere Vorsitzende der Landespsychotherapeutenkammer Hessen. Therapeuten könnten ihre eigene Überforderung verstecken. Fällt der ideale Therapeut weg, so befürchtet Hardt, kann der Patient nicht selbst eine Lösung finden.


Nicht alles lässt sich online therapieren

Über die Erfolge herrscht also Uneinigkeit. "Wir wollen doch gerade Dinge herausfinden, die sich die Person selbst nicht eingesteht", sagt Hardt. Bewusst Geschriebenes reiche nicht für eine Therapie. Depressionspatient Hannes Bruehl hat ähnliche Erfahrungen gemacht. "Bei mir gibt es offenbar Dinge, die tiefer liegen", sagt er. "Aber da ranzukommen, das hat die Internettherapie nicht hergegeben." Er wird auch noch eine Gesprächstherapie machen. Auch aus der Sicht von Onlinebefürworter Spricks kann die Psychotherapie im Netz das persönliche Gespräch nicht komplett ersetzen. Mimik und Gestik nimmt der Therapeut im reinen Mail-Verkehr nicht wahr, auch nicht den Tonfall. Oder das Schweigen. Ist ein Patient nahe dran, sich das Leben zu nehmen – der Therapeut kann es nur schwer erkennen. Computer als Hilfsmittel gegen seelische Störungen wirken auf die Psyche ein – analog zu Arzneimitteln, wie BPtK-Präsident Munz sagt. Doch wer trägt die Verantwortung für mögliche Nebenwirkungen, wenn kein Therapeut die Behandlung begleitet? Das ist ihm zufolge nicht klar.


Juristisch schwieriges Terrain

Auch die konventionelle Form erlaubt keine Kontrolle rund um die Uhr. Aber ohne unmittelbare Signale ist es schwieriger, rechtzeitig einzugreifen. Suizidgefährdete Patienten hat das Team um Sprick deshalb von vornherein ausgeschlossen. Verschlechterte sich der Zustand eines Patienten, konnte er in eine herkömmliche Therapie wechseln.

Manchmal geht gar nichts mehr

Persönlicher Kontakt zum Patienten ist auch eine Bedingung dafür, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine Psychotherapie übernehmen. Onlinetherapie müssen sie nicht bezahlen, können es im Einzelfall aber. Bevor sich die Therapeuten gemeinsam dafür einsetzen, dass Therapien im Netz eine Regelleistung der Kassen werden, sind wohl auch technologische Probleme zu lösen. Sie haben mit der Berufsethik zu tun.

"Reine Internettherapie ohne jeden Kontakt wird nur sehr schwer mit den Berufsordnungen in Einklang zu bringen sein", sagt Martin Stellpflug, BPtK-Justiziar und Medizinrechtler. Ärzte und Therapeuten haben Sorgfaltspflicht. "Bei Onlinetherapien ist nicht gesichert, dass da etwa wirklich die Hausfrau, 40 Jahre, sitzt. Und nicht ein 12-Jähriger." Je weniger Kontakt besteht, desto schwieriger ist die Sorgfalt zu gewährleisten.

"Die Vertraulichkeit ist wegen der Digitalisierung nicht mehr gesichert", sagt Analytiker Hardt. Intime Geheimnisse seien so abhängig von der Digitalindustrie, die Daten vor Hackern nicht geschützt. Auch die gesetzlichen Kassen lehnen dem GKV-Spitzenverband zufolge die Anerkennung von Onlinevideokonferenzen mit Skype oder ähnlichem als psychotherapeutische Technik ab – "da derartige Übertragungswege und Plattformen keine Datensicherheit gewährleisten können".

Und der Patient? "Ich hatte absolut keine Bedenken", sagt Hannes Bruehl. Psychotherapeut Sprick verteidigt sein Modellprojekt "net-step" so gut er kann: Der Austausch laufe über einen passwortgeschützten Server in Deutschland, sagt er, so sicher wie Onlinebanking – und schränkt gleich wieder ein: "100-prozentige Sicherheit gibt es nicht."

*Name von der Redaktion geändert

http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article145789214/Welchen-Patienten-ein-Online-Therapeut-helfen-kann.html

Warum das Warten auf eine Psychotherapie in SH so lange dauert

(11. August 2015) Lange Wartelisten, kurze Bandansagen – wer eine Psychotherapie sucht, braucht starke Nerven. Doch wer eine braucht, hat genau diese meist nicht. Das Dilemma der „Volkskrankheiten“. Ein Beitrag on Mira Nagar, shz.de

 „Soll ich denn Selbstmord begehen, damit ein Therapie-Platz frei wird?“ Für die 29-jährige Anita W. (Namen aller Patienten geändert) brach nach einem Burnout nach und nach die Welt zusammen. Und es war ein langer Weg für sie, sich Hilfe zu holen. Erst nach Selbstmordversuchen drängten ihre Eltern sie dazu. Diese Zeit sieht sie im Nachhinein als „absolutes Gefühlschaos“. Schließlich haftet mehreren psychischen Erkrankungen – obwohl mittlerweile häufig als „Volkskrankheiten“ bezeichnet – immer noch der Makel der vermeintlichen Schwäche an.
Hanna F., die unter Panikattacken und depressiven Episoden leidet, fasst es in drastischen Worten zusammen: „Ich habe mir selber oft sogar Krebs gewünscht, weil das gesellschaftlich leichter zu verstehen ist. Einem Krebskranken macht niemand einen Vorwurf, dass er faul wäre oder dass er es sich leicht macht. Es ist so traurig.“  Die Mutter von Anita W. erklärte die Krankheit im Bekanntenkreis so: „Anita sitzt psychisch in einem Rollstuhl. Und es bringt nichts, wenn ihr ständig zu ihr sagt, nun lauf doch, steh endlich auf.“

Bei Notfällen: Wer eine akute Selbstmordgefahr sieht oder die Gefahr, andere zu verletzen, sollte eine Klinik aufzusuchen oder den Notruf 112 wählen. Dort erhalten Notfall-Patienten umgehende Hilfe. Die kostenlosen Hotline-Nummern der Telefonseelsorge lauten: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Die Hilfe ist anonym und unterliegt der Schweigepflicht. Tipps für die Suche nach einem Therapieplatz stehen am Ende dieses Artikels.

Wie viele Menschen sich mit unentdeckten Depressionen durchs Leben schleppen, kann höchstens gemutmaßt werden. Laut einer Bertelsmannstudie von 2014 erhalten drei von vier Patienten in Deutschland, die an einer schweren Depression erkrankt sind, keine angemessene Therapie. Laut dem „Faktencheck Gesundheit“ liegt die Quote der adäquaten Behandlungen in Schleswig-Holstein bei 27 Prozent und damit knapp über dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent.

Hinter den nüchternen Zahlen stehen Einzelschicksale, Menschen, die selbst versuchen, ihr Leben in den Griff zu kriegen und andere, deren eigener Kopf wie ein Gefängnis ist. Und Menschen, die es jahrelang kaum zur Arbeit schaffen, ihren Job verlieren, sich den Tod wünschen. Die Krankheitsbilder sind schwerer vergleichbar als die von Patienten für Meniskusoperationen. Doch eines haben sie gemeinsam: Der Schritt, sich Hilfe zu holen ist für die meisten ein schwieriger. Man sei „in einem Zustand, wo man eigentlich gar nicht in der Lage ist, sich um Hilfe zu kümmern“, sagt Anita W. Doch auch, wenn man den wichtigen Schritt wagt, sich zu öffnen: Auf Hilfe warten viele Erkrankte vergeblich.

Die Suche nach einem Therapieplatz ist langwierig und zermürbend. „Bisher habe ich mindestens sechs Mal die komplette Therapeutenliste der Krankenkasse durchtelefoniert und bekomme immer wieder eine Vertröstung oder Absage schon direkt am Telefon“, so eine Erkrankte.  Es ist eine Hängepartie, die im Großen und Ganzen darin besteht, eine Telefonliste möglicher Therapeuten abzutelefonieren. Oft landet man dann bei einer Bandansage, die die knappen Sprechzeiten preisgibt, so berichten Betroffene – und nach mehreren Anläufen schaffe man es schließlich auf eine oder mehrere Wartelisten.

Und wartet.

Psychisch kranke Menschen warten in Deutschland durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch beim niedergelassenen Psychotherapeuten. Noch länger sind die Wartezeiten in ländlichen Kreisen (14,5 Wochen), so schätzt es die Bundespsychotherapeutenkammer in einem Bericht von 2013 ein. Doch damit hat man noch keine Therapie in der Tasche: Zunächst wird in einer oder mehreren Probesitzungen geprüft, ob Patient und Therapeut überhaupt zusammenpassen. Fachlich und persönlich.

Wie hoch die Chance eines Patienten auf eine angemessene Therapie ist, hängt nicht zuletzt vom Wohnort ab. So ist im Kreis Nordfriesland (18 Prozent) der Anteil der angemessenen Behandlungen nur etwa halb so hoch wie im Kreis Segeberg (34 Prozent), der den besten Wert in Schleswig-Holstein erzielt. Soweit die offiziellen Zahlen.

Die Berichte vieler Betroffener sehen anders aus: „Ich habe über ein Jahr nach einem Therapeuten gesucht. Ich habe sicherlich über 50 bis 60 Therapeuten abtelefoniert“, sagt Marina H. (Name geändert). „Bis nach Kiel und im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern um meinen Wohnort in der Nähe von Schleswig und kam bei nicht mal der Hälfte auf die Warteliste.“

Imke Borcherding, die in der Brücke in Flensburg Menschen in seelischen Notlagen berät, sieht das als eine „desolate Situation“. Manche der Hilfesuchenden bräuchten einen Therapieplatz, weil die Brücke-Mitarbeiter nicht allein weiterhelfen können. Doch genau diese Menschen hätten auch oft eine geringere Frustrationstoleranz. Und so fühle es sich auch stets ein wenig bitter an, diesen zu sagen: „Holen Sie sich Hilfe – und haben Sie einen langen Atem.“ Mit einem halben Jahr Wartezeit müsse man rechnen. „Jemanden, der in einer Depression ist, reißt das noch weiter rein“, sagt Borcherding.

Für den Psychologen Jochen Waibel vom Stimmhaus in Hamburg hat das Problem mehrere Ursachen. Eine liege darin, dass viele Psychotherapeuten die Arbeit nicht suchen müssten. „Ich glaube nicht, dass es so gut ist, dass die Psychotherapeuten so satt und zufrieden sind“, sagt er. Die Arbeit gleiche dem öffentlichen Dienst. Diese besteht dann auch nicht nur aus der Behandlung von Patienten, sondern beispielsweise auch darin, psychologische Gutachten zu schreiben. Bei einer Vier-Tage-Woche bleibe dann auch nur Zeit für kurze „Sprechstunden“. Minimal muss ein Psychotherapeut für einen Kassensitz 20 Stunden in der Woche als Therapeut arbeiten.

„Der Bedarf ist ein rechnerischer“, sagt Waibel. Einige Therapeuten arbeiten nicht voll, vor allem wenn sie wegen der Kinder ihre Arbeitszeit zurückgeschraubt haben. Um aber den vollen Kassensitz, falls man wieder mehr arbeiten möchte, zu reservieren, würden sie dies der Kasse nicht melden. So entstehe eine Lücke: Es werden volle Stellen von der Krankenkasse gezählt, wo eigentlich nur Teilzeit-Therapeuten sitzen. Für die Krankenkassen ist der regionale Bedarf an Therapeuten damit abgedeckt. „Die Kassenärztliche Vereinigung sollte kontrollieren, ob Psychotherapeuten tatsächlich einen ganzen oder einen halben Kassensitz haben“, sagt Waibel.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist genau dies bereits geschehen. „Wir haben geschaut, ob die Zahl der Abrechnungen tatsächlich mit dem Kassensitz übereinstimmen“, sagt KV-Sprecher Marco Detlefsen. Rechtlich nichts daran auszusetzen, wenn ein Therapeut einen Sitz „besetze“, dennoch habe man die Psychotherapeuten angeschrieben, ob sie nicht einen Teil ihres Platzes räumen würden. Immerhin 20 halbe Kassensitze konnte man so freischaufeln.

Offizielle Zahlen sagen, dass es damit genügend Psychotherapeuten in Schleswig-Holstein gibt. Denn jeder Kreis und jede Stadt erfüllt mehr als 110 Prozent des ermittelten Bedarfs, sagt Detlefsen. Selbst Nordfriesland und Dithmarschen. Das bedeutet soviel wie: Auf dem Papier sind alle Vorgaben übererfüllt und bei der Bedarfsplanung wird der Bezirk gesperrt. Mehr könne die KV nicht tun, es sei eine politische Entscheidung, mehr Kassensitze einzuplanen.

Die Frage ist, woher dieser Bedarf kommt – und ob er nicht ohnehin höher ist, als die Planung vorgibt. Das Soll der Psychotherapeuten wurde 1999 im Gemeinsamen Bundesausschuss ermittelt. Es wurde die durchschnittliche Zahl der niedergelassenen Psychotherapeuten in den Städten und Kreisen errechnet und diese als Höchstgrenze festgesetzt. Dabei wurde auch das damals völlig unterversorgte Ostdeutschland mit einbezogen – und das zog den Durchschnitt herunter. Vor etwa zwei Jahren wurde der Wert ein wenig angepasst. Das bedeutete immerhin 28 neue Plätze in Schleswig-Holstein. Gut 700 Kassensitze für Psychotherapeuten kommen somit aktuell zusammen.

Doch neue Plätze zu schaffen, sei nicht so einfach. Es sei letztendlich auch eine Kostenfrage, sagt Marco Detlefsen von der KV. Das gesamte Gesundheitswesen arbeite mit begrenzten Mitteln. „Wir leben in einer budgetierten Welt“, sagt er. Wenn die Krankenkassen zusätzlich Geld für die Psychotherapie bereitstellen würden, würde dies dann beispielsweise bei den Orthopäden für ihre Meniskusoperationen fehlen. Letztendlich sei dies eine politische Entscheidung. Das Gesundheitsministerium verweist wieder zurück an die KV: Diese können von der Bedarfsplanungs-Richtlinie abweichen, „sofern dies aufgrund regionaler Besonderheiten für eine bedarfsgerechte Versorgung vor Ort nötig ist.“

Doch was bedeuten regionale Abweichungen, wenn das gesamte System flächendeckend unterversorgt ist? Stefanie Kohlhofer - eine der wenigen Patienten, die ihren echten Namen angeben mögen - hat ähnliche Erfahrungen sowohl in Flensburg als auch in Itzehoe gemacht. Seit sie 21 Jahre alt ist, leidet sie unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, verursacht durch jahrelange Vergewaltigung bekommen. „Mein Peiniger bekam im Gefängnis Hilfe, Therapien und alles“, sagt sie. „Ich selber stehe da als Opfer völlig alleine da und darf mir von Mitmenschen oft anhören, dass es ja SO schlimm nicht sein kann.“

So war sie jahrelang immer wieder auf der Suche nach Hilfe bei einem Therapeuten, sowohl in Flensburg als auch in Itzehoe. „Dort ist die Wartezeit im Schnitt mit sechs Monaten doch sehr lang, wenn man schnell Hilfe braucht. Und das ist immer der Fall. Denn grade bei psychischen Störungen wartet man oft solange ab, bis es kaum noch geht.“

Ein wenig Erleichterung könnte es aber bald geben: Seit Ende Juli gibt es ein sogenanntes Versorgungsstärkungsgesetz. Um die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern, wird der Gemeinsame Bundesausschuss beauftragt, die Psychotherapie-Richtlinie noch einmal zu überarbeiten. Um Wartezeiten auf Facharzttermine zu verkürzen, müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen Terminservicestellen außerdem einrichten. Das ist zurzeit in Arbeit. Diese Stellen sollen Versicherten mit einer Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Ob das immer gelingt, bleibt anzuwarten.

http://www.shz.de/schleswig-holstein/panorama/warum-das-warten-auf-eine-psychotherapie-in-sh-so-lange-dauert-id10403726.html

Probleme bei Emotionen und Burnout: Hilfe für Einzelunternehmer bei vhelp.de

(03. August 2015) Burnout ist häufig noch ein Tabuthema. Die Zahl der Menschen, die wegen psychischer Belastungen im Job ausfällt, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Immer mehr große Unternehmen setzen nun auf externe Mitarbeiterberatung. Auch für Einzelunternehmer gibt es jetzt eine Lösung, den Verein vhelp.de.

Die psychischen Anforderungen im Job sind der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAUA) zufolge seit Mitte der 90er Jahre deutlich gestiegen. Im Gesundheitsreport des BKK Dachverbands heißt es: Etwa 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage der etwa 4,3 Millionen BKK-Versicherten in Deutschland seien psychisch bedingt. Die mittlere Ausfalldauer bei psychischen Leiden sei mit gut 40 Tagen so hoch wie bei keiner anderen Erkrankung. In den vergangenen zehn Jahren hat die BKK eine deutliche Zunahme der Krankheitstage wegen psychischer Störungen registriert. Die Bundesanstalt macht den Wandel der Arbeitswelt für die Zunahme psychischer Belastungen verantwortlich. In einem Forschungsprojekt soll nun die Wirkung von Belastungen erkundet werden, um dann Messstandards und Grenzwertempfehlungen zu erarbeiten. Starker Termin- und Leistungsdruck werden dabei ebenso als Belastungen angesehen wie häufige Störungen und Unterbrechungen und sehr schnelles Arbeiten.

Konzerne wie Bosch, Daimler, der Softwarehersteller SAP, die Deutsche Bahn oder seit 1. August 2015 auch die Allianz steuern mit Hilfe sogenannter EAP Employee Assistance Program Anbieter gegen und lassen darüber ihre Mitarbeiter extern beraten. Für klein- und mittelständische Unternehmer, Freiberufler oder Handelsvertreter sind solche Lösungen zu teuer, zumal die EAP Anbieter erst ab einer Mindestanzahl von 50 Mitarbeitern Angebote erstellen.

Deshalb haben sich Unternehmer, alle selbstständige Allianzvertreter, zusammengeschlossen und den Verein vhelp.de gegründet. Der Verein vhelp.de bietet unter anderem bei allen emotionalen Problemen eine kostenfreie Personal Support Line (PSL) und ggf. bis zu 8 Therapiesitzungen in regionaler Nähe des Anrufers. Der Service wird von einem unabhängigen und darauf spezialisierten EAP Unternehmen geleistet, das bereits seit 1987 weltweit über 2.000 Unternehmen mit mehr als 4,5 Mio. Mitarbeitern unterstützt. Mit der PSL haben vhelp.de Mitglieder rund um die Uhr direkten Zugang zu einem qualifizierten Telefonberater, der ihnen uneingeschränkt für Gespräche, Unterstützung und Beratung bei privaten und arbeitsbezogenen Anliegen zur Verfügung steht. Bei Bedarf kann auch innerhalb kürzester Frist eine persönliche Beratung vor Ort bei ausgewählten Therapeuten und Psychologen vereinbart werden.
Dazu Sven Körber, Vorstandsvorsitzender vhelp.de: „Offensichtlich schließen wir mit unserem in Deutschland einzigartigen Angebot für kleine und mittelständische Unternehmer, Freiberufler und Vertreter eine Lücke. Bei uns muss sich niemand krankschreiben lassen und gegenüber dem Arbeitgeber outen oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis eine Therapie überhaupt beginnt. Die Personal Support Line ist immer erreichbar und für Mitglieder und deren Familienangehörige kostenfrei.“

Inzwischen zählt der seit 03. März 2015 eingetragene Verein vhelp.de - Vertreter helfen Vertretern mehr als 2.300 Mitglieder.

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