(24. Mai 2020) Homeoffice, Ausgangsbeschränkungen, Besuchsverbote in Alters- und Pflegeeinrichtungen – das Coronavirus schränkt unseren Kontakt zu Familienmitgliedern, Freunden und Arbeitskollegen momentan stark ein und fordert einen Verzicht auf bisher selbstverständliche Begegnungen im Alltag. Diese Situation ist nicht nur für alte und alleinstehende Menschen belastend, sondern für uns alle, denn ungewolltes Alleinsein schlägt aufs Gemüt.

Unabhängig von unserem Alter sind zwischenmenschliche Kontakte für die meisten von uns so wichtig wie die Luft zum Atmen: Wir müssen über das sprechen können, was uns beschäftigt und antreibt, wollen uns austauschen und einander zuhören. Wenn dies nicht möglich ist fühlen wir uns einsam. Es fehlt uns der Halt, die Zuneigung und die Anteilnahme, die uns andere Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit geben könnten.

Ob man unter dieser Situation nur leidet oder auch positive Aspekte in ihr erkennt, hängt stark vom Typ ab: Während manche Menschen es genießen, viele Tage in Folge einfach in den eigenen vier Wänden zu verbringen, ist genau diese Form der Freiheitsberaubung für andere eine richtige Qual. Auch die momentane Lebenssituation, die Lebenserfahrung und die psychische Verfassung haben einen Einfluss darauf, ob und wie stark wir uns einsam fühlen. Wer gerade ein erfülltes Leben lebt, kann mit der Isolation besser umgehen als jemand, der sich gerade in einem wenig zufriedenstellenden Lebensabschnitt befindet. Auch die mit der Isolation einhergehende Langeweile kann uns zu schaffen machen. Wenn Kino, Konzerte, Theater, Vereinsaktivitäten, Tinder-Dates und andere Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich sind, empfinden das viele Menschen als belastend.

Was also tun, um in Zeiten der Corona-Krise nicht zu vereinsamen? Mit diesen kleinen Schritten ist es möglich, aus der Isolation auszubrechen. Suchen Sie den Weg, der am besten zu Ihnen passt.

Tipp Nr. 1: Bestehende Freiräume verantwortungsvoll nutzen
Im Rahmen der aktuell gültigen Weisungen der Gesundheitsbehörden und unter Beachtung des nötigen Abstands zu anderen Menschen stärkt der Aufenthalt an der frischen Luft Ihre Psyche und Ihr Immunsystem. Gehen Sie spazieren, falls es die Maßnahmen noch erlauben. Auch wenn Sie dies vorzugsweise alleine machen sollten, wird es Ihnen guttun. Vermeiden Sie es, sich nur noch vom Fernseher berieseln zu lassen. Der Konsum von Medien beruhigt zwar vordergründig, schürt aber mittel- bis langfristig nur Ihre Unruhe.

Tipp Nr. 2: Aktiv das eigene Selbst-Sein ausleben
Experten empfehlen, in der Quarantäne so aktiv wie möglich zu sein. Wer zum Beispiel musiziert, singt, meditiert, liest, schreibt, bastelt, putzt, aufräumt, entrümpelt oder die Steuererklärung ausfüllt, fühlt sich in der Regel wohler. Dabei ist es hilfreich, eine Liste mit den Dingen aufzuschreiben, die man erledigen möchte, und die geplanten Aktivitäten Tag für Tag abzuarbeiten.

Tipp Nr. 3: Sich selbst Halt geben
Halten Sie die gewohnte Tagesstruktur ein (Sie sind gescheitert, wenn Sie auch noch am Mittag die Pyjamahose tragen) und planen Sie den Tag. Bonus-Empfehlung zu diesem Tipp: Planen Sie mindestens ein Highlight pro Tag ein, auf das Sie sich freuen können, z. B. indem Sie eine besonders leckere Mahlzeit für sich zubereiten. Belohnen Sie sich für Ihren Durchhaltewillen und Ihr Pflichtbewusstsein in diesen Zeiten.

Tipp Nr. 4: Den Lager-Koller verhindern
Besonders Familien stellt die Quarantäne und Selbstisolation vor Herausforderungen: Kinderbetreuung, Hoffeoffice, Paarbeziehung - und das alles auf engem Raum. Viele stellen in dieser Situation fest, dass man sich auch in Gesellschaft anderer einsam fühlen kann. Da ist es wichtig, dass man sich mit den Kindern und der Partnerin oder dem Partner darauf einigt, dass es feste Strukturen gibt, mit einem Stundenplan, der regelt, wann sich jeder um seine Verpflichtungen kümmert, Zeit für sich hat und wann es gemeinsame Zeit gibt.

Tipp Nr. 5: Bewusst das Positive im Alleinsein sehen
Versuchen Sie trotz allem, den sozialen Rückzug bewusst positiv zu sehen, z. B. als Ausstieg aus dem gewohnten Hamsterrad und als Möglichkeit zur Besinnung. Vielleicht wird Ihnen in diesen Zeiten bewusst, was Ihnen wirklich wichtig ist im Leben und worauf Sie gut verzichten können. Viele Menschen sind im normalen Alltag permanent auf der Flucht vor sich selbst und haben nun die Chance, sich und die eigenen Bedürfnisse besser spüren zu lernen.

Tipp Nr. 6: Neue und kreative Formen des Zusammenseins nutzen
Gerade Italien hat gezeigt, dass aus der Situation auch viel Zwischenmenschlichkeit ent-stehen kann, etwa indem Menschen über die Balkone miteinander singen. Auch gemeinsame Aktionen wie das Klatschen, um Dankbarkeit zu zeigen, sind schöne Momente, in denen wir uns plötzlich weniger einsam fühlen. Das gibt Hoffnung und lässt neue Arten der Begegnung zu. Nutzen Sie solche Möglichkeiten des Zusammenseins und machen Sie mit.

Tipp Nr. 7: Sich mit der unmittelbaren Umgebung solidarisieren
Die Corona-Krise ist auch eine Zeit der Solidarität. Wir alle müssen nun wieder enger zusam-menrücken. Ein Kaffeeplausch mit Nachbarn am Fenster oder auf dem Balkon ist eine nette Abwechslung. Seien Sie freundlich, rücksichtsvoll und hilfsbereit gegenüber den Menschen, die Ihnen begegnen. Lächeln Sie sie an - auch wenn es fremde Menschen sind, so werden sie in der Regel zurücklächeln und alle werden sich für einen Moment lang weniger einsam fühlen.

Tipp Nr. 8: Mit dem Tippen aufhören und endlich richtig miteinander reden
Wir alle kommunizieren gerne per SMS und WhatsApp. Das ist bequem, wir können uns genau überlegen, was und wann wir schreiben wollen. Doch unser Gehirn reagiert ganz anders auf die menschliche Stimme. Sie vermittelt ein Gefühl von Nähe, der Kontakt ist persönlicher und intensiver. Verabreden Sie sich mit Freunden und der Familie zum (Video)Telefonieren. Trotz der räumlichen Distanz können Sie sich so Ihren Liebsten verbunden fühlen. Wer im Homeoffice sitzt, kann auch via Skype oder ähnlichen Diensten mit den Kollegen zu Mittag essen. Jetzt ist auch die Zeit, um sich bei alten Bekannten zu melden, die Sie ohnehin schon längst mal anrufen wollten. Wenn Sie die schriftliche Kommunikation trotzdem bevorzugen, dann schreiben Sie einen Brief - wir alle freuen uns über nette Post.

Und was tun, wenn die beste Selbstfürsorge nicht hilft und Sie sich einsam fühlen?
Dann ist es vielleicht erleichternd, wenn Sie sich jemandem anvertrauen können. Reden hilft, ganz besonders in der Krisensituation, in der wir uns momentan befinden. Psychologische Beratung kann lösungsorientiert dabei helfen, mit negativen Gefühlen wie Einsamkeit umgehen zu lernen. Oft verschafft bereits eine erste Aussprache viel emotionale Linderung und Sie fühlen sich danach besser.

Wir von vhelp.de / ICAS unterstützen Sie gerne, gerade auch in diesen herausfordernden Zeiten. Und vergessen Sie nicht: Unsere Vor-Ort Psychotherapeuten bieten Ihnen zusätzlich zu unserem Rundum-Telefon-Service auch Video-Beratungssitzungen an.

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