(03. April 2020) Gelassenheit ist das Gebot der Stunde. Von unserem Partner ICAS habe ich wieder ein paar Zeilen, die Ihnen vielleicht gerade in der derzeit schwierigen Phase helfen. Nutzen Sie bitte aber auch so frühzeitg wie möglich unsere rund um die Uhr (24/7) mit Psychotherapeuten und Psychologen besetzte Personal Support Line, deren kostenfreie Rufnummer Sie hoffentlich alle haben. Auch während der Feiertage ist selbstverständlich unsere Geschäftsstelle besetzt, um Ihnen ggf. weiterzuhelfen.

«Wir können die Wellen nicht stoppen, aber lernen, auf ihnen zu surfen.»
Dieses Zitat von Joseph Goldstein mag in Anbetracht der Corona-Krise zunächst er-nüchternd oder gar demotivierend wirken, ist es doch das erklärte Ziel unserer gemein-samen Anstrengungen, die Corona-Epidemie so rasch wie möglich zu stoppen. Die Erkenntnis, dass uns dies vorübergehend nicht gelingen wird, ist für uns alle belastend. So sind denn auch die meisten von uns wegen Corona stark verunsichert, haben Ängste, Sorgen und leiden unter dem unangenehmen Gefühl, nicht zu wissen, was kommt. In diesem Factsheet möchten wir Ihnen ein paar Gedanken und Empfehlungen nahebringen, damit Sie auch in dieser schwierigen Zeit bestmöglich innerlich stabil, souverän und vor allem psychisch gesund bleiben.

So abgedroschen es klingen mag: Das Zauberwort lautet Gelassenheit. Gelassenheit hilft uns, negative Erfahrungen im Leben auszugleichen und erträglicher zu machen. Dies ist speziell in sehr schwierigen Lebenslagen wie der aktuellen eine bedeutende Ressource: Wenn sich Angst und Kontrollverlust in der gegenwärtigen Situation mit den für viele noch anstrengenderen Herausforderungen des beruflichen und privaten Alltags paaren, verhilft uns Gelassenheit zur nötigen Distanz und zu einem anderen Blickwinkel auf das momentan nicht Änderbare.

Denn solange wir zumindest das Glück haben, dass wir selber und unsere Liebsten nicht lebensbedrohlich von Corona betroffen sind, gilt auch beim Stress, den wir durch Corona erleben, dass nicht hauptsächlich das Virus selbst, sondern unser Denken darüber uns stresst. Auf viele andere Dinge können wir derzeit herzlich wenig Einfluss nehmen (außer den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zu folgen und z. B. Abstand zu halten und die wichtigsten Hygiene-Maßnahmen einzuhalten). Aber unser Denken, also die wahre Quelle für unsere Sorgen, die Angst und die Unsicherheit, können wir erkennen und lenken.

Hier ein paar Ideen dazu:

Tipp 1: Lassen Sie unangenehme Gefühle zu…
…und reden Sie sie nicht klein respektive verdrängen Sie sie nicht.

Sie dürfen sich verunsichert fühlen. Lassen Sie das zu. So haben Sie ein Ventil, um die Sorgen kleiner werden zu lassen. Reden Sie Ihre Gefühle von Sorge, Angst, Unsicherheit und Kontrollverlust nicht klein, schieben Sie sie nicht einfach weg, sondern nehmen Sie sie an und üben Sie, mit ihnen umzugehen, anstatt sich dagegen zu stemmen. Denn Gefühle bringen uns nicht um, sondern zeigen uns etwas oder schützen uns sogar (z. B. indem wir motiviert werden, wichtige Verhaltensregeln einzuhalten, um uns und andere zu schützen). Ein gelassener Umgang mit Stressgefühlen bedeutet nicht, eine Krise oder aus ihr resultierende Gefühle zu verdrängen. Ein gelassener Umgang mit diesen Gefühlen bedeutet, sich ihnen zu stellen, sie auszuhalten und sie anzunehmen. Denn nicht zuletzt verlieren negative Emotionen an Bedeutung und Intensität, wenn Sie sich ihrer klar werden und sie bewusst benennen (sich z. B. sagen: «Ich stelle fest, gerade in diesem Moment bin ich sehr angespannt.»). Dafür braucht es nicht vorrangig eine bestimmte Technik, sondern einfach Ihre Bereitschaft, diesen Tipp umzusetzen. Erleichtern kann Ihnen das die Frage: «Bringt mich mein Gefühl von Sorge (oder Angst) um oder ist es einfach nur unangenehm?» In aller Regel trifft Zweites zu, zum Glück!

Tipp 2: Halten Sie inne…
…und atmen Sie tief durch.

Wenn Sie bemerken, dass Sie momentan die Fassung verlieren, dann ist es Balsam für Ihre Psyche, wenn Sie bewusst einen Schritt zurücktreten, indem Sie zum Beispiel innerlich bis auf 10 zählen oder eine kurze Atemübung machen. Oft ist dann der erste Impuls, der Sie wegen der Sorgen und Ängste zu ungewollten Handlungen verleitet, bereits verflogen und Sie können angemessen und bedächtig reagieren. Nicht zuletzt machen Sie so die Erfahrung, dass Sie sich selbst und Ihre Verfassung steuern können. Das Gefühl, dies auch in der momentanen Krisensituation bewerkstelligen zu können – selbst in kleinen Dosen – entspannt und kräftigt Sie seelisch-mental.

Tipp 3: Akzeptieren Sie die Situation…
…aber auch sich selbst und andere.

Akzeptanz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Krisen zu überwinden, nicht zuletzt, weil sie uns hilft, uns in konstruktiver Gelassenheit zu üben, und bewirkt, dass wir auch den widrigsten Umständen etwas Positives abgewinnen können. Dies ist etwas, was wiederum neue Chancen eröffnet, die wir nutzen können, um die Krise zu bewältigen und sogar an ihr zu wachsen. Versuchen Sie deshalb, den Fokus vor allem auf Dinge zu lenken, die Sie in der gegenwärtigen Situation vielleicht einmal anders oder überhaupt erst machen können. Bemühen Sie sich zum Beispiel bewusst um eine gesunde Ernährung, indem Sie das Homeoffice nutzen, die zusätzlich gewonnene Zeit in einen durchdachten Menüplan und ein bewusstes Genießen zu investieren. Die Entschleunigung, die wir aufgrund der einschneidenden Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona erfahren, kann auch als Befreiung empfunden werden. Versuchen Sie, auch wenn es schwerfallen mag, auch das Positive in der gegenwärtigen Situation zu sehen.

Anteilnahme

Sehr hilfreich ist es, wenn Sie bewusst am Leben Ihrer Liebsten Anteil nehmen. Viele Menschen erleben es als wohltuend und entlastend, wenn sie in schwierigen Zeiten auch für andere da sein können. Dabei hilft uns nicht nur die Erfahrung, dass wir alle im selben Boot sitzen, sondern wir können in der Regel einiges an positivem Umgang mit Krisen voneinander lernen.

Nehmen Sie sich Zeit und Raum für sich selbst

Berücksichtigen Sie dabei jedoch, dass wir im Moment alle angespannt und teilweise auch gezwungen sind, deutlich mehr Zeit mit anderen Menschen auf engem Raum zu verbringen, als uns lieb ist. Diese Angespanntheit bewirkt in aller Regel, dass wir dünnhäutiger werden und weniger einfühlsam sind. Gönnen Sie sich deshalb speziell auch in diesen herausfordernden Tagen genügend Zeit für sich selbst und nehmen Sie sich den Raum, gesundheitsschonend mit sich selbst umzugehen. Zum Beispiel indem Sie davon profitieren, dass Sie – unter der Voraussetzung, dass Sie dabei die Regeln einhalten – das Haus verlassen können für einen kurzen Spaziergang unter freiem Himmel. Versuchen Sie vor allem aktiv zu bleiben und sich selbst Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Gerade jetzt sind es die kleinen Dinge, auf die es ankommt und die uns viel Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit schenken können.

Tipp 4: Bewahren Sie Ihre sozialen Kontakte…
…tauschen Sie sich mit anderen aus und unterstützen Sie sich so gegenseitig

Denken Sie daran, wer alleine kämpft addiert, wer zusammen kämpft multipliziert. Mit Familie, Freunden und den Arbeitskollegen in Kontakt zu bleiben, kann Ängste und Stress reduzieren und hilft, mit den Herausforderungen der Krise besser umgehen zu können. Das Gute an der jetzigen Situation ist, dass wir infolge der Entschleunigung (z. B. Wegfallen des Pendelns aufgrund von Homeoffice) auch mehr Zeit haben für private Angelegenheiten. Es gibt vielfältige moderne Möglichkeiten, wie wir uns trotz räumlicher Distanz nahe sein können, auch wenn diese natürlich den Austausch und das Zusammensein im realen Leben nicht gänzlich ersetzen können. Bleiben Sie telefonisch, per Video oder über die sozialen Medien mit Ihrer Familie, Ihren Freunden und Arbeitskollegen in Kontakt. Oder schreiben Sie wieder einmal einen Brief. Der Empfänger wird sich freuen!

Und falls Ihnen diese Tipps schwerfallen, denken Sie daran: Sie haben bei uns immer jemanden, der Ihnen rund um die Uhr Anteil nehmend zuhört und Sie lösungsorientiert berät, speziell auch in der aktuellen Lebenslage.

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